Villa Heike Kunstverein
TEXTMATERIAL BILDRÄUME DER SOLIDARITÄT 4
WERKE UND BIOS
TEIL 4
(english below)
19. COCO KÜHN
WERK
Das Werk Solidarität basiert auf einer skulpturalen Anordnung: eine schwarze Waage, die zwei Lasten aus goldfarbenen Granitsteinen trägt. Obwohl sie sich in ihrer Form unterscheiden – eine Seite schmaler und höher, die andere breiter und niedriger – befinden sich beide Seiten in perfektem Gleichgewicht, ihr Gewicht ist exakt austariert. Das Werk versteht Solidarität als Zustand gegenseitiger Unterstützung, in dem Differenz das Gleichgewicht nicht stört, sondern trägt.
BIO
Coco Kühn ist eine bildende Künstlerin mit Sitz in Berlin. Sie studierte Malerei und Bildhauerei an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Saale) von 1996 bis 2003. 2008 gründete sie die Temporäre Kunsthalle Berlin, die sie bis 2010 leitete. Ihre Arbeiten wurden national und international ausgestellt.
20. ZOE POPP
WERK
Seoul 2024, in meiner Wohnung stehe ich vor dem Fenster und habe alle Fensterscheiben geöffnet, um die Geräusche von draußen eindringen zu lassen. Mein Fenster hat vier Schichten, drei davon lassen sich öffnen. Die letzte Milchglasscheibe ist fixiert. Sie ist an der Außenwand angebracht und kann nicht bewegt werden. Sie versperrt zwei Drittel meines Blicks. Das Glas dient als Sichtschutz, da das Nachbarhaus sehr nah ist. Manchmal klettere ich auf meine wackelige Kommode, um meinen Kopf an der festen Scheibe vorbeizuschieben und den Himmel zu sehen. Ist er blau oder bewölkt? Scheint die Sonne?
Das Werk summersun thematisiert Gemeinschaft und Solidarität, indem es ihre Abwesenheit ins Zentrum stellt. In großen, wachsenden Metropolen, die zunehmend verdichtet sind und in denen Ein-Personen-Haushalte immer häufiger werden, gewinnen soziale Nähe und Zusammenhalt an Bedeutung. Wenn diese durch bauliche Strukturen erschwert oder verhindert werden, entsteht eine Anonymität des Nebeneinanders. Die Verbindung zur unmittelbaren Umgebung fehlt und wird als schmerzhafte Leerstelle erfahrbar. Das Werk versteht sich als Aufruf, in diesem modernen sozialen Gefüge Räume für Gemeinschaft und Solidarität aktiv zu schaffen.
BIO
Zoe Popp studiert Bildende Kunst mit Schwerpunkt Fotografie bei Heidi Specker an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sowie Architektur an der Universität der Künste Berlin. Sie verbrachte ein Auslandssemester in Seoul, in dessen Rahmen ihr Video summersun entstand. Ihre Arbeiten wurden in Gruppenausstellungen in Berlin, Bonn, Seoul und Guadalajara (Mexiko) gezeigt. 2024 erhielt sie den Studienpreis für Fotografie der HGB Leipzig.
21. JOSHUA TARELLE REID
WERK
Kurze Aufmerksamkeitsspannen, britische Transport-Kommandoslogans, öffentliche Werbung und kybernetische Rückkopplungsschleifen – Joshua Tarelle Reid spielt mit diesen Ideen, um eine ephemere Schleife zu erzeugen, die den Betrachter in die Intensivierung und Beschleunigung gesellschaftlichen Wandels in postindustriellen Städten einführt. Ausgehend von den Technologien unserer Umgebung und sie als Inspirationsquelle nutzend, schlägt er einen momentanen Ausstieg aus dem „Oculus“ vor, um über unsere Einbindung und ihre Konsequenzen nachzudenken. – What Remains of Towers?
BIO
Joshua Tarelle Reid ist ein bildender und Klangkünstler, der zwischen Berlin und Paris lebt. Seine Arbeit konzentriert sich auf kollektives Gedächtnis sowie Schnittstellen von Klassenpolitik, kulturellen Motiven und Identität. Er ist vor allem als eine Hälfte des experimentellen Musikduos Space Afrika bekannt, dessen Arbeiten durch eine Verbindung von Produktion, Soundcollage und Field Recordings die nächtliche Essenz des urbanen Lebens einfangen. In seiner visuellen Praxis entwickelte Reid in Zusammenarbeit mit dem französischen Verlag KERMESSE eine Reihe von Artefakten rund um Foucaults Theorie des Panoptikums. Ende 2025 zeigte er Arbeiten im Victoria & Albert Museum in London, im CCA – Centre for Contemporary Arts in Berlin, im Passage Berlin und in den Armani Silos in Mailand.
23. LORENZ KIENZLE
WERK
Das Projekt Gärten des Widerstands entstand aus Kienzles Beteiligung an der Initiative KlimaInsel Wilmersdorf, die einen bedrohten Kleingarten in Berlin zeitweise in einen gemeinschaftlichen Raum für ökologische und soziale Praxis verwandelte – mit Workshops, Gesprächen, Pflanzaktionen, historischer Recherche und politischer Organisation im Kontext von Klimagerechtigkeit und Stadtentwicklung. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein kollaboratives fotografisches und partizipatives Archiv, das Bilder von Anwohner:innen, Nachbar:innen und Teilnehmenden sowie Material aus Demonstrationen und dem Alltag im Garten einbezog.
In Gärten des Widerstands präsentiert Kienzle diese gemeinsame Geschichte durch geschichtete Konstellationen aus Protestbannern, projizierten Bildern, Archivfotografien und transluzenten Drucken, die sich mit dem wechselnden Licht verändern und die fragile, prozesshafte Natur des Projekts widerspiegeln. 2026 änderte sich die Situation abrupt, als trotz laufender rechtlicher Klärungen zu geplanten Bauvorhaben alle 48 Bäume des Gartens gefällt wurden. Als Reaktion entwickelte Kienzle eine Intervention mit Kontaktabzügen der zerstörten Bäume, die sowohl den Verlust des Ortes markiert als auch die Fortsetzung der politischen und ökologischen Arbeit in neuer, verschobener Form.
BIO
Lorenz Kienzle ist Fotograf und arbeitet zunehmend an der Schnittstelle zu kollektiven Formen urbaner Aktivismen und zivilgesellschaftlicher Praxis. Seit 2023 ist er in der Berliner Nachbarschaftsinitiative KlimaInsel Wilmersdorf aktiv und hat sich von einer beobachtenden fotografischen Rolle hin zu einer aktiven Beteiligung an lokalen Debatten zu Klimaschutz und Stadtentwicklung bewegt. Seine Arbeit beschäftigt sich mit öffentlichem Raum, ökologischer Transformation und zivilgesellschaftlicher Handlungsfähigkeit, oft in Zusammenarbeit mit Mitgliedern der jeweiligen Initiativen.
24. MARTINA ZANINELLI & THOMAS JAKOBS
WERK
Brotherland ist eine visuelle Untersuchung von Rassismus, Gewalt und gebrochenen Versprechen im Kontext der deutschen Wiedervereinigung. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Wiedervereinigung 1990 zeichnet die Arbeit den Kontrast zwischen Freiheitsnarrativen und der Gewalt- und Angstrealität vieler Betroffener nach. Das Projekt konzentriert sich auf die Erfahrungen ehemaliger Vertragsarbeiter:innen aus sozialistischen „Bruderländern“ wie Angola, Mosambik und Vietnam, die über bilaterale Abkommen in die DDR kamen und deren Verträge nach der Wiedervereinigung weitgehend beendet wurden. Viele wurden zur Rückkehr gezwungen, einige blieben.
Durch Interviews mit ehemaligen Vertragsarbeiter:innen sowie deutschen Bewohner:innen, die in Orten wie Hoyerswerda, Eberswalde und Rostock Anfang der 1990er Jahre lebten, rekonstruiert die Arbeit unterschiedliche Perspektiven auf diese Zeit. Die Fotografien wurden an den Orten der Angriffe aufgenommen und versetzen diese in ein zeitloses visuelles Register, während Stillleben und Archivmaterial verschiedene Dimensionen von Gewalt reflektieren. Brotherland thematisiert die Atmosphäre, in der rassistische Angriffe stattfanden und gesellschaftlich legitimiert wurden, und zeigt, wie die Betroffenen in offiziellen Erzählungen und historischen Darstellungen oft fehlen.
BIO
Martina macht die Fotografien, Thomas stellt die Fragen. Gemeinsam haben sie Brotherland konzipiert und entwickelt. Martina wurde in Italien geboren und ist dort aufgewachsen, Thomas in der ehemaligen DDR. Beide leben heute in Berlin. Thomas arbeitete als Streetworker und Pädagoge. Martina hat einen BA in Geschichte, nahm an Lisa Barnards Masterclass in Photography teil und hat international ausgestellt. Beide arbeiten derzeit im Berliner Nachtleben als Türsteher.
Das Projekt Brotherland wurde auf verschiedenen internationalen Festivals und Ausstellungen in Europa gezeigt und shortlistet, unter anderem in Italien, Frankreich und Deutschland.
25. RAINER GÖRß & ANIA RUDOLPH
WERK
Die Installation „Solibeitrag“ – Solidaritäten & Sinnsystem Suchen entsteht aus Materialien und digitalen Bilddaten des Untergrundmuseums und wird zu dichten diagrammatischen Collagen und räumlichen Konstellationen zusammengefügt, die die Künstler:innen als „Datenimpressionismus“ bezeichnen. Sie verfolgt verschobene historische Artikulationen von Solidarität in sozialistischen, postsozialistischen und gegenwärtigen globalen Kontexten – von Agitprop und Bildkulturen der Planwirtschaft bis zu webbasierten Diagrammen vernetzter Systeme. Fragmente aus Archiv- und digitalen Quellen werden zu einer geschichteten „Archäologie“ industrieller Moderne rekonstruiert, in der Solidarität nicht als fester Wert erscheint, sondern als umkämpftes und sich wandelndes Feld, geprägt von Wirtschaftssystemen, kollektivem Gedächtnis und der Verflechtung von Natur, Kultur und globaler Interdependenz.
BIO
Rainer Görß & Ania Rudolph arbeiten seit 2006 als Künstlerduo und betreiben das Untergrundmuseum in Berlin-Mitte, eine begehbare „Wunderkammer“ und ein kollektiver Erinnerungsraum zu Ost-West-Transformation, sozio-ökologischer Kritik und kultureller Bildung. Ihre Praxis verbindet Installation, Archivforschung und künstlerisches Design mit einem Fokus darauf, wie politische und ökonomische Systeme kulturelles Gedächtnis und gegenwärtige Sinnproduktion prägen.
26. KODAC KO
WERK
Waves, Everywhere untersucht Migration als grundlegendes menschliches Verlangen nach einem besseren Leben und nicht als politisches oder soziales Problem. Die Arbeit schlägt eine Form von Solidarität vor, die über die Unterscheidung zwischen Selbst und Anderen hinausgeht. Ausgehend von Geschichten und Nachrichten, die von Migrant:innen in Berlin und Jeju (Korea) sowie deren Familien und Freund:innen geteilt wurden, zeigt die Arbeit die untrennbare Verbindung von Abwesenheit und Zugehörigkeit. Der Titel eignet sich den Begriff der „Wellen“ an, der in deutschen Medien oft in Begriffen wie „Migrations-Tsunami“ verwendet wird, um Angst zu erzeugen, und ersetzt diese Perspektive durch Migration als natürliche und kontinuierliche menschliche Bewegung.
BIO
Kodac Ko ist eine audiovisuelle Künstlerin aus Jeju, Südkorea. Sie studierte Druckgrafik an der Hongik University in Seoul, an der Hochschule für Bildende Künste Dresden sowie an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit unterschiedlichen Formen von Kommunikation und zeigt ausgehend von Migrationserfahrungen, wie Sprache sowohl verbinden als auch Distanz vertiefen kann. Ihre Arbeiten wurden u. a. im Museum für Photographie Braunschweig und im Jeju Museum of Contemporary Art gezeigt sowie auf dem 10. Cairo Video Festival und dem 41. Kasseler Dokfest. Sie nahm 2025 am Goldrausch Künstlerinnenprojekt in Berlin teil und erhielt 2026 ein Stipendium der Stiftung Kunstfonds.
27. JOANNA SZPROCH
WERK
Gemeinsam Anders Sein entsteht in Zusammenarbeit mit Mädchen der Wilden Hütte in Gropiusstadt, Berlin. Im Rahmen eines Berlin Mondiale Calls for Solidarity ist das Projekt eine partizipative fotografische Arbeit mit Teilnehmenden im Alter von 9 bis 12 Jahren aus einem diversen, migrationsgeprägten Stadtteil. Unter der künstlerischen Leitung von Joanna Szproch entwickelte die Gruppe einen horizontalen Arbeitsprozess, in dem Autor:innenschaft und Subjektpositionen geteilt wurden und Entscheidungen über Bildproduktion, Auswahl und Präsentation kollektiv getroffen wurden.
Mit analoger Sofortbildfotografie (Instax) arbeiteten die Teilnehmenden mit Selbstinszenierung, DIY-Kostümen, Make-up und spielerischer Performance, um sich gegenseitig zu fotografieren. Die entstehenden Bilder bilden ein materielles Archiv von Begegnungen, das später zu Collagen und einer Leporello-Publikation weiterentwickelt wurde. Im Gegensatz zu digitalen Bildumgebungen betonen die analogen Fotografien physische Präsenz, Intentionalität und Relationalität. Das Projekt erzeugte nachhaltige soziale Bindungen, die über seine Dauer hinausreichen, und wirkte zugleich als Verschiebung der Selbstwahrnehmung der Teilnehmenden, indem es Räume für Spiel, Freude und Selbstausdruck öffnete. Für Szproch reflektiert die Arbeit eine fortlaufende Untersuchung, wie kollaborative Praxis unter gleichberechtigten Bedingungen entstehen kann und dabei eine individuelle künstlerische Stimme bewahrt bleibt, wobei Solidarität als gelebte Methode verstanden wird, die auf Differenz, Koexistenz und geteilter Handlungsfähigkeit basiert.
BIO
Joanna Szproch, geboren in Warschau und wohnhaft in Berlin, ist Künstlerin, Kunstvermittlerin und Aktivistin. Nach ihrem Abschluss an der Akademie der Bildenden Künste in Łódź 2004 arbeitete sie zunächst in der Modefotografie, bevor sie 2012 nach Berlin zog und eine multidisziplinäre Praxis entwickelte, die von künstlerischer Forschung, Feminismus und urbaner Praxis geprägt ist. Ihre Arbeit umfasst Fotografie, Selbstporträt, Performance, Archiv, Collage, Zeichnung, Objekte und Installation und verbindet häufig autobiografische und partizipative Methoden mit Fokus auf weibliche Autonomie, Gleichheit und Selbstbestimmung. Sie unterrichtet regelmäßig und leitet Workshops sowie kollaborative Projekte mit Institutionen wie der Neuen Nationalgalerie, Berlin Mondiale und Urbane Praxis. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, und ihr Künstlerbuch Alltagsfantasie (2023) erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde auf bedeutenden Fotofestivals und Kunstmessen präsentiert.
28. MICHAEL DANNER
WERK
Demokratie wird oft als politisches System, Regierungsform oder institutionelles Gefüge verstanden. Ihr Fortbestand hängt jedoch von etwas Grundlegenderem ab: der Bereitschaft des Einzelnen, am öffentlichen Leben teilzunehmen und sich mit den Bedingungen auseinanderzusetzen, unter denen Gesellschaft organisiert ist. In einer Zeit, in der liberale Demokratien zunehmendem Druck durch autoritäre und illiberale Tendenzen ausgesetzt sind, sind Fragen von Partizipation, Verantwortung, Solidarität und Dissens dringlicher denn je geworden. Demokratie lässt sich nicht auf Wahlen, Parlamente oder Verfassungen reduzieren. Sie zeigt sich ebenso in öffentlicher Präsenz, zivilgesellschaftlichem Engagement, Protest, Debatte und der fortwährenden Aushandlung widersprüchlicher Interessen und Perspektiven. Die hier gezeigten Arbeiten sind Teil des Langzeitprojekts DEMOCRACY IS A VERB, das Räume, Akteur:innen und Praktiken untersucht, durch die demokratisches Leben sichtbar wird. Statt zu fragen, was Demokratie ist, fragt das Projekt, wie sie im Alltag vollzogen, verteidigt, herausgefordert und erneuert wird. Die Serie lädt dazu ein, Demokratie nicht als festen Zustand, sondern als fortlaufenden kollektiven Prozess zu verstehen, der von den Handlungen der Beteiligten abhängt.
BIO
Michael Danner ist Fotograf und Dozent mit Sitz in Berlin. Seine Arbeit verfolgt einen politischen und anthropologischen Ansatz zur Untersuchung umkämpfter Orte, sozialer Konflikte und kollektiver Erinnerung. Mit Fotografie, Bewegtbild, Archivmaterial und Text entwickelt er vielschichtige Narrative zu zeitgenössischen politischen und gesellschaftlichen Transformationen. Seine Projekte, darunter CRITICAL MASS und MIGRATION AS AVANT-GARDE, wurden international ausgestellt und als Monografien veröffentlicht.
29. CEREN SANER
WERK
Inside The Ring ist ein fortlaufendes visuelles Archiv, das zwischen persönlichen und kollektiven Erzählungen oszilliert und eine „our-stories“-Dokumentation von Zugehörigkeit, Intimität und Überleben in oft feindlichen urbanen Räumen bildet. Begonnen 2016 nach der Migration der Künstlerin von Istanbul nach Berlin, entstand das Projekt zunächst als persönliches Tagebuch von Entwurzelung und entwickelte sich zu einer langfristigen emotionalen und visuellen Kartografie queeren und diasporischen Gemeinschaftslebens.
Entwickelt durch anhaltende Nähe und Vertrauen, verfolgt die Arbeit Formen von Fürsorge, Verwandtschaft und alltäglicher Solidarität und versteht Bildproduktion als Akt des Weltbaus und der Widerständigkeit gegen Unsichtbarmachung. Sie hinterfragt rigide cis-heteropatriarchale Geschichtserzählungen und betont Intimität ohne Voyeurismus, indem sie fragt, wie marginalisierte Leben gesehen und gehalten werden. Über fast ein Jahrzehnt hinweg erweitert sich Inside The Ring in räumliche und skulpturale Formen, die das fotografische Bild in relationale und öffentliche Räume überführen und es in Strukturen gemeinsamer Erfahrung, Präsenz, Zärtlichkeit und kollektiver Weltproduktion transformieren.
BIO
Ceren Saner ist eine in Berlin lebende, autodidaktische bildbasierte Künstlerin, deren Arbeit queere und diasporische Narrative über Fotografie, Bewegtbild, Installation und gemeinschaftsbasierte Praktiken entwickelt. In sozio-autobiografischen Erzählformen untersucht sie Intimität, Verwandtschaft, Zugehörigkeit und die Fragilität von Erinnerung. Ihre Arbeiten funktionieren als visuelle Notizen: Fragmente von Begegnungen und Emotionen, die sich einem Abschluss entziehen. 2024 wurde Saner mit dem ersten Preis des Neuköllner Kunstpreises für ihr fortlaufendes Werk Inside The Ring ausgezeichnet. Ihre Arbeiten wurden international in Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Libanon, den Niederlanden, Schweden, dem Vereinigten Königreich, den USA und der Türkei gezeigt. Neben ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie als Kulturproduzentin und initiiert sowie unterstützt gemeinschaftsbasierte Räume für kollektives Erzählen und Austausch.
30. REA SCHENK
WERK
MIMESIS zeigt zwei unscharfe Figuren in einem vorsichtigen Annäherungszustand: gemeinsam und zugleich getrennt. Durch Schichtungen und Spuren destabilisiert die Arbeit, was als Hintergrund und Vordergrund erscheint, sodass Bedeutung im Fluss bleibt.
Solidarität wird hier als Prozess zwischen Verbindung und Trennung, Nähe und Isolation verstanden. In diesem Zwischenraum nimmt Kunst die Zone der Übergänge ein. In Schenks Photo Construct Praxis dient Fotografie als Ausgangspunkt, der anschließend durch Computer Aided Design (CADcontent) dekonstruiert wird, wodurch Präzision in Fragmentierung und Transformation überführt wird. Spuren bleiben wahrnehmbar, ohne sich zu fixieren, sodass das Unbestimmte als aktive Bedingung des Bildes bestehen bleibt.
BIO
Rea Schenk verbindet einen langjährigen beruflichen Hintergrund als zertifizierte Ingenieurin mit künstlerischer Praxis und verknüpft technische Expertise in Computer-Aided Design (CAD) mit experimenteller Bildproduktion. Seit 2023 entwickelt sie ihre hybride Praxis unter den Bezeichnungen PHOTO CONSTRUCT und PHYSICAL CONSTRUCT an der Schnittstelle zwischen digital transformierter Fotografie und analogen, mixed-media Prozessen. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit Wahrnehmung, Erinnerung und Identität und wurde international und regional ausgestellt sowie in privaten Sammlungen aufgenommen. Sie lebt in Berlin und wurde für ihre Praxis mehrfach international ausgezeichnet.
31. MONIKA KEILER X KIOSK OF SOLIDARITY
WERK
Der Kiosk of Solidarity ist ein mobiles Interventionsformat, das seit 2023 im urbanen Raum Berlins aktiv ist und in Zusammenarbeit mit mehr als 35 Initiativen sowie in über 50 Interventionen realisiert wurde. Das Projekt schafft Sichtbarkeit für marginalisierte Gruppen und vernetzt sie mit bestehenden Strukturen, während es zugleich die praktische Umsetzung jeder Intervention unterstützt – von Gestaltung über Genehmigungen bis hin zu Logistik und Finanzierung. Im Zentrum steht die Schaffung temporärer Räume für Begegnung, Austausch und Teilhabe im öffentlichen Raum sowie die Stärkung sozio-ökologischer Transformationsprozesse.
Monika Keiler spielt als fotografische Dokumentaristin eine zentrale Rolle im Projekt. Sie begleitet den Kiosk of Solidarity seit seinen Anfängen und porträtiert ihn als temporäre soziale Infrastruktur, in der Initiativen, Nachbar:innen und marginalisierte Gruppen zusammenkommen. Ihre Fotografien erfassen sowohl konkrete Interaktionen rund um den Kiosk als auch die urbanen Kontexte, in denen sie stattfinden, und zeigen, wie Solidarität im öffentlichen Raum praktiziert wird und Sichtbarkeit selbst zu einer politischen Bedingung wird. Der Kiosk erscheint in ihrer Arbeit nicht nur als physische Struktur, sondern als lebendige Infrastruktur von Fürsorge, Austausch und kollektivem Wissensproduktion.
BIO
Monika Keiler wuchs in einem kleinen Dorf in Bayern auf. Nach ihrem Studium der Fotografie an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München zog sie nach Berlin, wo sie die Meisterklasse für Fotografie bei Prof. Arno Fischer absolvierte, gefolgt von einem Aufbaustudium bei Prof. Ute Mahler und Robert Lyons an der Ostkreuzschule für Fotografie. 2006 arbeitete sie in New York als Assistentin von Martin Schoeller, von 2010 bis 2011 assistierte sie Arno Fischer in Berlin. Seit 2008 arbeitet sie als freie Porträt- und Dokumentarfotografin für verschiedene Magazine und Institutionen.
32. SHUR COLLECTIVE
WERK
Die Installation untersucht die Paradoxien des Lebens zwischen globalen Machtstrukturen, kolonialen Kontinuitäten und digitaler Überflutung. Ausgehend vom mathematischen Objekt der Klein’schen Flasche – einer Form ohne Innen und Außen – wird die Struktur der „Festung Europa“ als endlose Schleife unsichtbarer Grenzen erfahrbar.
Teilnehmende werden blindfolded und in eine immersive Klang- und Lichtinstallation geführt: live geloopte Klänge, pulsierende rote und blaue Lichter sowie Alltagsobjekte als Klangquellen erzeugen eine desorientierende Atmosphäre. Die Sprache besteht aus einer Collage aus Nachrichtenüberschriften und Erfahrungsberichten von Menschen vor Ort – mit Fokus auf der tödlichen Dualität von Krieg und Waffenstillstand. Zentrale Frage: Wie konsumieren wir täglich unsere eigene Entmenschlichung – gefangen zwischen hedonistischen Idealen, FOMO und der verzweifelten Suche nach Informationen aus zerstörten Regionen?
Der Raum gehört uns nicht. Wir beanspruchen ihn nur für kurze Zeit.
BIO
Shur Collective ist ein queer-feministischer BIPoC-Verbund interdisziplinärer Künstler:innen und Aktivist:innen. Shokoufeh untersucht digitale Körper und virtuelle Identität in der Medienkunst und studiert an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM). Zolfar ist Architektin, Aktivistin und Grafikdesignerin und beschäftigt sich mit räumlichen Entwürfen, die kritisches Denken im politischen Kontext anregen, mit Fokus auf geopolitische Strategien des Globalen Südens. Roya untersucht Grenzen und Identität mithilfe von Fotografie und geometrischen Formen. Sie studierte an der Universität Teheran und an der Folkwang UdK.
// ENGLISH
WORKS AND BIOS
PART 4
19. COCO KÜHN
WORK
The work Solidarität centers on a sculptural arrangement: a black scale bearing two loads of gold-colored granite stones. Though differing in shape – one pile narrower and taller, the other broader and lower – both sides are in perfect equilibrium, their weight evenly balanced. The work proposes solidarity as a condition of mutual support, in which difference does not disrupt balance but sustains it.
BIO
Coco Kühn is a visual artist based in Berlin. She studied painting and sculpture at Burg Giebichenstein University of Art and Design in Halle (Saale) from 1996 to 2003. In 2008, she founded the Temporäre Kunsthalle Berlin, which she directed until 2010. Her work has been exhibited nationally and internationally.
20. ZOE POPP
WORK
Seoul 2024, in my apartment I stand in front of the window with all the panes open, letting the sounds from outside enter. My window has four layers, three of which can be opened. The last frosted-glass pane is fixed. It is mounted on the outer wall and cannot be moved. It blocks two-thirds of my view. The glass serves as a screen because the neighboring building is very close. Sometimes I climb onto my shaky chest of drawers to push my head past the fixed pane and see the sky. Is it blue or cloudy? Is the sun shining?
The work summersun addresses community and solidarity by placing their absence at its center. In large, growing metropolises that are becoming increasingly dense and where single-person households are more and more common, social proximity and cohesion gain importance. When these are made difficult or prevented by architectural structures, an anonymity of side-by-side existence emerges. The connection to one’s immediate surroundings is missing, becoming a painful blank space. The work understands itself as an appeal to actively create spaces for community and solidarity within this modern social fabric.
BIO
Zoe Popp studies Fine Arts in Photography with Heidi Specker at the Academy of Fine Arts Leipzig and Architecture at the Berlin University of the Arts. She spent an exchange semester in Seoul, during which her video work summersun was created. Her work has been shown in group exhibitions in Berlin, Bonn, Seoul, and Guadalajara (Mexico). In 2024 she received the Study Prize for Photography at the HGB Leipzig.
21. JOSHUA TARELLE REID
WORK
Short attention spans, British transport command slogans, public advertising and cybernetic feedback loops Joshua Tarelle Reid plays with these ideas to create an ephemeral loop to introduce the viewer to the intensification and acceleration of social change within post-industrial cities. Looking at the technologies around us and using it as a source of inspiration, he proposes us a momentary flight from the ‘oculus’ to think about our engagement and its implications around us. - What Remains of Towers ?
BIO
Joshua Tarelle Reid is a visual and sound artist living between Berlin and Paris. His work focuses on collective memory and the intersections of class politics, cultural motifs and identity. He is best known as one half of the experimental music duo Space Afrika, whose work is characterized by a fusion of production, sound collage, and field recordings, capturing the nocturnal essence of inner city life. In his visual pursuits, Reid in collaboration with French publishing house KERMESSE produced a series of artefacts and objects focused around Foucault’s theory on the Panopticon. Closing 2025 he has exhibited work with the Victoria & Albert Museum in London; CCA - Centre for Contemporary Arts in Berlin, Passage Berlin and Armani Silos in Milan.
23. LORENZ KIENZLE
WORK
The project Gärten des Widerstands emerged from Kienzle’s involvement with the KlimaInsel Wilmersdorf initiative, which temporarily transformed a threatened allotment garden in Berlin into a communal space for ecological and social practices, including workshops, discussions, planting activities, historical research, and political organizing around climate justice and urban planning. Over time, the project expanded into a collaborative photographic and participatory archive, incorporating images made by residents, neighbors, and participants, as well as materials from demonstrations and everyday life in the garden.
In Gärten des Widerstands Kienzle presents this collective history through layered constellations of protest banners, projected images, archival photographs, and translucent prints that shifted with changing light conditions, reflecting the fragile and processual nature of the project itself. In 2026, the situation changed abruptly when all 48 trees in the garden were cut down despite ongoing legal uncertainties around planned construction. In response, Kienzle developed an intervention displaying contact sheets of the destroyed trees, marking both the loss of the site and the continuation of the initiative’s political and ecological engagement in a new, displaced form.
BIO
Lorenz Kienzle is a photographer whose practice increasingly intersects with collective forms of urban activism and civic engagement. Since 2023 he has been involved with the Berlin neighborhood initiative KlimaInsel Wilmersdorf, moving from an observational photographic role into active participation in local debates around climate protection and urban development. His work engages with questions of public space, ecological transformation, and civic agency, often in collaboration with community members and participants in the initiatives he documents.
24. MARTINA ZANINELLI & THOMAS JAKOBS
WORK
Brotherland is a visual investigation into racism, violence, and broken promises in the context of German reunification. Following the fall of the Berlin Wall in 1989 and reunification in 1990, the work traces the contrast between narratives of freedom and the emergence of violence and fear experienced by many. The project focuses on the experiences of former contract workers from socialist “brother countries” such as Angola, Mozambique, and Vietnam, who came to the GDR through bilateral agreements and whose contracts were largely terminated after reunification. Many were forced to return, while some remained.
Through interviews with former contract workers as well as German residents who lived in places such as Hoyerswerda, Eberswalde, and Rostock during the early 1990s, the work reconstructs multiple perspectives on this period. The photographs were taken at the sites of the attacks and place them in a timeless visual register, while still lifes and archival material reflect different dimensions of violence. Brotherland addresses the atmosphere in which racist attacks occurred and were socially legitimized, highlighting how those affected are often absent from official narratives and historical accounts.
BIO
Martina takes the photographs, Thomas asks the questions. Together they conceived and developed Brotherland. Martina was born and raised in Italy, Thomas in the former GDR. Both now live in Berlin. Thomas has worked as a streetworker and educator. Martina holds a BA in History, attended Lisa Barnard’s Masterclass in Photography, and has exhibited internationally. Both currently work in Berlin nightlife as doormen. Their project Brotherland has been shown and shortlisted at various international festivals and exhibitions across Europe, including Italy, France, and Germany.
25. RAINER GÖRß & ANIA RUDOLPH
WORK
The installation “Solibeitrag” – Solidaritäten & Sinnsystem Suchen is developed from materials and digital image data drawn from the Untergrundmuseum and assembled into dense diagrammatic collages and spatial constellations, which the artists describe as “data impressionism.” It traces shifting historical articulations of solidarity across socialist, post-socialist, and contemporary global contexts – from agitprop and planned economy visual culture to web-based diagrammatics of interconnected systems. Fragments of archival and digital sources are reconfigured into a layered “archaeology” of industrial modernity, where solidarity appears not as a fixed value but as a contested and evolving field shaped by economic systems, collective memory, and the entanglement of nature, culture, and global interdependence.
BIO
Rainer Görß & Ania Rudolph have worked as an artist duo since 2006, operating the Untergrundmuseum in Berlin-Mitte, a walk-in “wunderkammer” and collective memory space dedicated to East–West transformation, socio-ecological critique, and cultural education. Their practice combines installation, archival research, and artistic design with a focus on how political and economic systems shape cultural memory and contemporary meaning-making.
26. KODAC KO
WORK
Waves, Everywhere explores migration as a fundamental human desire to seek a better life rather than as a political or social issue. The work proposes a form of solidarity that moves beyond the distinction between self and other. Drawing from stories and messages shared by migrants in Berlin and Jeju, Korea, as well as their family and friends, the work reveals the inseparable connection between absence and belonging. The title reclaims the idea of “waves,” often used in German media through terms like “migration tsunami” to evoke fear, and instead presents migration as a natural and constant human movement.
BIO
Kodac Ko is an audio-visual artist from Jeju, South Korea. She studied in the Printmaking Department at Hongik University in Seoul, at the Academy of Fine Arts in Dresden, and at the Braunschweig University of Art. Her work engages with diverse forms of communication; drawing from her own experiences of migration, it reveals how language can both bridge and deepen distance. Her works have been exhibited at institutions including the Museum of Photography Braunschweig and the Jeju Museum of Contemporary Art (South Korea), and screened at the 10th Cairo Video Festival and the 41st Kasseler Dokfest. She also participated in the Goldrausch Künstlerinnenprojekt (2025) in Berlin and received a grant from Stiftung Kunstfonds (2026).
27. JOANNA SZPROCH
WORK
Gemeinsam Anders Sein is created in collaboration with girls from Wilde Hütte in Gropiusstadt, Berlin, as part of a Berlin Mondiale call for solidarity, the project is a participatory photographic work with participants aged 9 to 12 from a diverse, migration-shaped neighborhood. Under the artistic direction of Joanna Szproch, the group developed a horizontal working process in which authorship and subjecthood were shared, with decisions on image-making, selection, and presentation made collectively.
Working with analog instant photography (Instax), the participants used self-staging, DIY costumes, make-up, and playful performance to photograph one another. The resulting images form a material archive of encounters, later developed into collages and a leporello publication. In contrast to digital image environments, the analogue photographs emphasize physical presence, intention, and relationality. The project produced lasting social bonds that extended beyond its duration, with some relationships continuing afterward. It also functioned as a shift in self-perception for participants, opening space for play, joy, and self-expression. For Szproch, the work reflects an ongoing exploration of how collaborative practice can unfold on equal terms while maintaining individual artistic voice, positioning solidarity as a lived method grounded in difference, coexistence, and shared agency.
BIO
Joanna Szproch, born in Warsaw and based in Berlin, is an artist, art educator, and activist. After graduating from the Academy of Fine Arts in Łódź in 2004, she initially worked in fashion photography before relocating to Berlin in 2012, where she developed a multidisciplinary practice shaped by artistic research, feminism, and urban practice. Her work spans photography, self-portraiture, performance, archive, collage, drawing, objects, and installation, often combining autobiographical and participatory methods that foreground female autonomy, equality, and self-determination. She regularly teaches and leads workshops, and initiates collaborative projects with institutions such as Neue Nationalgalerie, Berlin Mondiale, Urbane Praxis, and others. Her work has been exhibited internationally and her artist book Alltagsfantasie (2023) received several awards and was presented at major photography festivals and art fairs.
28. MICHAEL DANNER
WORK
Democracy is often understood as a political system, a form of government, or a set of institutions.Yet its survival depends on something more fundamental: the willingness of individuals to participate in public life and to engage with the conditions under which society is organized. At a time when liberal democracies face growing pressure from authoritarian and illiberal tendencies, questions of participation, responsibility, solidarity, and dissent have become increasingly urgent. Democracy cannot be reduced to elections, parliaments, or constitutions alone. It also takes shape through public presence, civic engagement, protest, debate, and the continual negotiation of conflicting interests and perspectives. The works presented here are part of the long-term project DEMOCRACY IS A VERB, which examines the spaces, actors, and practices through which democratic life becomes visible. Rather than asking what democracy is,
the project asks how it is enacted, defended, challenged, and renewed in everyday life. The series invites reflection on democracy not as a fixed condition, but as an ongoing collective process that depends on the actions of those who participate in it.
BIO
Michael Danner is a Berlin-based photographer and educator whose work adopts a political and anthropological approach to investigate contested sites, social conflict, and collective memory.Working with photography, moving image, archival material, and text, he develops multilayered narratives that explore contemporary political and societal transformations. His projects, including *CRITICAL MASS* and *MIGRATION AS AVANT-GARDE*, have been exhibited internationally and published as monographs.
29. CEREN SANER
WORK
Inside The Ring is an ongoing visual archive that moves between personal and collective narratives, forming an “our-stories” documentation of belonging, intimacy, and survival within often hostile urban environments. Beginning in 2016 after the artist’s migration from Istanbul to Berlin, the project emerged as a personal diary of displacement and gradually expanded into a long-term emotional and visual mapping of queer and diasporic community life.
Developed through sustained proximity and trust, the work traces forms of care, kinship, and everyday solidarity, positioning image-making as an act of world-building and resistance to erasure. It challenges rigid cis-heteropatriarchal framings of history while foregrounding intimacy without voyeurism, attending to how marginalized lives are seen and held. Evolving over nearly a decade, Inside The Ring extends into spatial and sculptural forms that move the photographic image into relational and public space, transforming it into structures of shared experience, presence, tenderness, and collective world-making.
BIO
Ceren Saner is a Berlin-based, self-taught lens-based artist whose work centers queer and diasporic narratives across photography, moving image, installation, and community-based practices. Through socio-autobiographical storytelling, she explores intimacy, kinship, belonging, and the fragility of memory. Her works function as visual notes: fragments of encounters and emotions that resist closure. In 2024, Saner was awarded first place in the Neuköllner Kunstpreis for her ongoing body of work Inside The Ring. Her work has been presented internationally across Belgium, France, Germany, Italy, Lebanon, the Netherlands, Sweden, the United Kingdom, the United States, and Türkiye. Alongside her artistic practice, she works as a cultural producer, initiating and supporting community-centered spaces for collective storytelling and exchange.
30. REA SCHENK
WORK
MIMESIS presents two indistinct figures in a cautious state of approach: together and yet separate. Through layers and traces, the work destabilizes what appears as background and foreground, allowing meaning to remain in flux.
Solidarity is approached here as a process unfolding between connection and separation, proximity and isolation. Within this in-between space, art occupies the zone of transition. In Schenk’s photo construct practice, photography serves as a starting point, which is then deconstructed through Computer Aided Design (CADcontent), breaking precision into fragmentation and transformation. Traces remain perceptible without becoming fixed, allowing the diffuse to persist as an active condition of the image.
BIO
Rea Schenk combines a long professional background as a certified engineer with artistic practice, merging technical expertise in computer-aided design (CAD) with experimental image-making. Since 2023 she has developed her hybrid practice under the labels PHOTO CONSTRUCT and PHYSICAL CONSTRUCT, working at the intersection of digitally transformed photography and analogue, mixed-media processes. Her work engages with questions of perception, memory, and identity, and has been exhibited internationally and regionally, as well as included in private collections. She is based in Berlin and has received several international awards for her practice.
31. MONIKA KEILER X KIOSK OF SOLIDARITY
WORK
The Kiosk of Solidarity is a mobile intervention format active in Berlin’s urban spaces since 2023, developed in collaboration with more than 35 initiatives and realized in over 50 interventions. The project creates visibility for marginalized groups and connects them with existing networks, while also supporting the practical realization of each intervention, from design and permissions to logistics and funding. At its core, the project seeks to establish temporary spaces of encounter, exchange, and participation in public space, strengthening socio-ecological transformation processes.
Monika Keiler plays a central role in the project as its photographic documentarian. She has accompanied the Kiosk of Solidarity since its beginning, portraying it as a temporary social infrastructure where initiatives, neighbors, and marginalized groups come together. Her photographs capture both specific interactions around the kiosk and the urban contexts in which they unfold, emphasizing how solidarity is enacted in public space and how visibility itself becomes a political condition. Rather than presenting the kiosk only as a physical structure, her work frames it as a living infrastructure of care, exchange, and collective knowledge production.
BIO
Monika Keiler grew up in a small village in Bavaria. After studying photography at the University of Applied Sciences in Munich, she moved to Berlin, where she completed the master class in photography with Prof. Arno Fischer, followed by postgraduate studies with Prof. Ute Mahler and Robert Lyons at the Ostkreuzschule für Fotografie. In 2006 she worked in New York as an assistant to Martin Schoeller, and from 2010 to 2011 she assisted Arno Fischer in Berlin. Since 2008 she has worked as a freelance portrait and documentary photographer for various magazines and institutions.
32. SHUR COLLECTIVE
WORK
The installation explores the paradoxes of living between global power structures, colonial continuities, and digital saturation. Based on the mathematical object of the Klein bottle – a form with no inside or outside – the structure of "Fortress Europe" becomes tangible as an endless loop of invisible borders.
Participants are blindfolded and guided into an immersive sound and light installation: live-looped sounds, spasming red and blue lights, and everyday objects as sound sources create a disorienting atmosphere. The spoken word consists of a collage of news headlines and first-hand experiences from people on the ground – focusing on the deadly duality of war and ceasefire. Central question: How do we daily consume our own dehumanization – caught between hedonistic ideals, FOMO, and the desperate search for information from devastated regions?
The space does not belong to us. We claim it only for a short time.
BIO
Shur Collective is a queer-feminist BIPoC association of interdisciplinary artists and activists. Shokoufeh explores digital bodies and virtual identity through media art while studying at the Academy of Media Arts (KHM). Zolfar, an architect, activist, and graphic designer, is interested in spatial designs that provoke critical thinking within a political context. Her focus lies on geopolitical strategies in the Global South. Roya examines borders and identity using means such as photography and geometric forms. She studied at the University of Tehran and at Folkwang UDK.
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